Psychische Störung und Besuch im SM-Studio

Erstmal vorneweg: das ist meine persönliche Meinung und kein how to im Umgang mit psychischen Störungen im Kontext von Besuchen im SM-Studio!

Heute hatte ich einen der schwierigeren Anrufe in meinem Beruf.

Ein junger Mann ruft mich an und möchte einen Termin. Soweit so gut. Er erzählt mir direkt, dass er in Betreuung ist und eine Probleme mit einer Persönlichkeitsstörung hat. Das an sich ist ja kein Makel, aber:
Ich bin nicht psychologisch ausgebildet.
Meine Erfahrungen mit unterschiedlichen psychischen Störungen und Erkrankungen beschränken sich allenfalls auf mein privates Umfeld. Ich kann nicht einschätzen wie ausgeprägt sich eine solche Störung bei einer Session bemerkbar macht.

Ich kann ggfs eine Re-Traumatisierung nicht ausschließen und bin möglicherweise nicht in der Lage einen Zusammenbruch richtig aufzufangen.

Obwohl wir Sexworker in allen Branchenzweigen auch Kummerkastentante, Ratgeber und Schulter zum ausheulen sind, ich zumindest bin nicht in der Lage adäquate psychologische Hilfestellung bei tatsächlichen Krankheitsbildern zu leisten.

Deswegen kann ich nicht guten Gewissens so einen Termin ausmachen und durchziehen. Deswegen muss ich ablehnen. Egal was ich verdienen würde, das ist es nicht wert. Das könnte nicht nur meinen Gast, sondern auch mich gefährden.

Es gibt psychologisch ausgebildete Sexarbeiter/innen, auch Dominas. Wenn ihr wisst, dass ihr eine psychische Erkrankung oder Störung habt und gerne ins Studio gehen wollt, wendet Euch in Eurem und dem Interesse der Domina bitte an jemanden mit einer entsprechenden Ausbildung!

Ich wiederhole das noch einmal: eine psychische Erkrankung oder Störung ist KEIN Makel! Es macht Euch keineswegs zu weniger wertvollen Menschen und auch nicht zu Menschen, die grundsätzlich nicht einschätzen können was sie wollen, brauchen, können!

Bedenkt aber bitte, dass wir Sexworker niemandem schaden wollen und unsere Gäste zufrieden wieder entlassen möchten. Wir sind auch Menschen. Wenn wir etwas nicht leisten können oder uns zutrauen, dann geht das nicht gegen Euch und bedeutet nicht, dass ihr „falsch“ seid!

Ich traue mir einiges zu, aber ich wäre völlig falsch in meinem Beruf, wenn ich nicht wüsste wo meine Grenzen liegen und die auch äußern kann. Gerade im bdsm-Bereich haben wir so schon mit der ganzen Klaviatur von Emotionen zu tun. Wenn ich nicht absehen kann was für Reaktionen oder Schwierigkeiten für meinen Gast und in Folge auch für mich entstehen können, kann ich einfach nicht anders als einen Termin ablehnen.

Ein Kommentar:

  1. Schön das du dich mit einem Tabuthema auseinander setzt…Nicht viele würden das öffentlich sagen…

    Ich habe es auch schon erleben müssen das wegen meiner Transexualität und Behinderung abgelehnt wurde, und habe an Anfang echt gedacht muss ja das allerletzte sein…

    Im Grunde ist das so das es Menschen gibt die einfach keine Erfahrungen haben und einfach ein Schutz ist…Was auch löblich ist…

    Macht es für den Betroffenen dann leider nicht einfach. Daher sage ich ja jedem das man im Profil auch schreiben sollte welche Menschen sich melden können, damit die Sucherei einfach gestaltet wird….

    Durch meine Erfahrungen mit meiner Chefin gehört eine Menge dazu zu wissen wie weit man mit jemanden wirklich gehen kann. Sie hat wirklich viel Erfahrungen im Behindertenbereich und ja Mitleidbonus gibt es endlich da mal nicht. Daher vergöttere ich sie einfach sehr…

    Aber dies musste ich für mich auch erstmal lernen und zu erspüren wer geht und wer nicht…

    Daher Mutig klar zu sagen wo bei dir einfach deine Grenzen sind…Danke dir dafür!!!

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