Feedback

Feedback, und warum es für Sexarbeitende so wichtig ist

Rückmeldungen, Lob und Kritik – für viele Menschen ist das essentiell, um die eigene Arbeit zu verbessern, Ansprüchen anzupassen, die Zielgruppe des Angebots abzuholen. Sexarbeitende sind davon nicht ausgenommen. Neben dem Umstand, dass positive Rückmeldungen, Lob oder gar Empfehlungen auch einen nicht zu unterschätzenden Werbeeffekt haben, freuen wir uns darüber, wenn unsere Dienstleistung gut angekommen ist.

Wünsche erfüllt – Ziel erreicht!

Ich persönlich freue mich am meisten über Aussagen wie die folgende:

„Ich habe das bekommen, was ich wollte, und es war so toll wie ich es mir vorgestellt habe!“

Da ich mir für die Anbahnung einer Session, die Aufklärung und das Abklopfen von Vorstellungen und Wünschen sowie die Vorbereitung gerne Zeit nehme, möchte ich mal behaupten, dass ich eine recht gute Vorstellung davon habe, was sich mein Gegenüber von mir erhofft, wenn wir dann zusammen im Playroom sind. Nichtsdestotrotz habe auch ich meine Unsicherheiten, frage mich, ob ich denn alles umsetzen konnte, was gewünscht wurde und wie es für die Gäste war. Hier kommt das Feedback ins Spiel. Manchmal ist es kurz und knackig, wie diese Nachricht:

„War echt mega geil! War noch ganz aufgewühlt. Musste hier auch noch runter kommen. Bin noch ein bisschen um die Häuser und spazieren gegangen, nach dem Duschen. Und nochmals danke. War wirklich der Hammer!“

Sie stammt von einem meiner Lieblings-Gäste, der vor einem knappen Jahr das erste Mal bei mir war und danach einen kurzen Erfahrungsbericht in einem Forum über mich geschrieben hatte, den ich auch hier in meinem Blog veröffentlichen durfte: Erfahrungsbericht „S.“

Mittlerweile hatten wir schon einige sehr erfreuliche Sessions miteinander. Die Kommunikation läuft bei uns eher auf Augenhöhe und via einen Messenger ab.

Manchmal kommen Rückmeldungen per E-Mail und sind etwas ausführlicher, wie dieses Feedback einer Person, die kürzlich zum ersten Mal bei mir war:

„Guten Abend Madame Simone,

Ich wollte mich mal zurück melden. Mir hat die Session sehr gut gefallen und hat mich genau in das Stadium gebracht, in welches ich wollte, vielen Dank dafür.

Ich habe mich wunderbar aufgehoben gefühlt und die leichten Witze haben mir echt gut gefallen.

Heute habe ich ein bisschen diesen Nebel im Kopf (das kriege ich manchmal nach Sessions), aber das sollte sich bis Morgen gelegt haben.

Die verschiedenen Schlagwerkzeuge waren fantastisch und vor allem das mit den Füßen würde ich gerne vertiefen beim nächsten Mal.

Das leichte Kratzen war auch genau mein Geschmack, sowie das Kopf streicheln während der Atemkontrolle.

Ich konnte mich einfach komplett fallen lassen und das war ein wunderbares Gefühl.

Freundliche Grüße, […]“

Lobeslied oder konstruktive Kritik?

Bisweilen bekomme ich auch ganz zeitnah und mündlich Rückmeldungen während eines sogenannten Nachgesprächs. Es sind nicht immer Lobeslieder, manchmal bekomme ich auch gesagt, dass man dieses oder jenes vielleicht noch länger, ausführlicher, härter oder schlicht anders hätte machen können, meist ist es jedoch begleitet von einem „… beim nächsten Mal machen wir das dann soundso“ Das zeigt mir doch schon recht deutlich, dass das was ich tue nicht ganz so daneben liegt. Ich freue mich übrigens auch immer über konstruktive Kritik, denn wenn Raum und Spielmöbel zum Beispiel zu kalt sind, die Handtücher übermäßig parfümiert, die Handfesseln zu ausgeleiert, die Ketten scharfkantig – das bekomme ich manchmal als aktiver Part gar nicht so direkt mit. Auch wenn ich zu wenig oder zu viel für den Geschmack des Gastes gesprochen habe, zu hart oder nicht hart genug geschlagen, zu viel oder zu wenig Zuwendung gezeigt habe – dann ist es mir wichtig, dass mir das gesagt wird, denn ich kann es mir dann für eine etwaige nächste Session mit der Person auch notieren und anpassen.

Feedback in Richtung „Nä, das war alles total doof! Zu Dir komme ich nie wieder!“ habe ich bisher (glücklicherweise) noch nicht bekommen. Aber durchaus schon welches, in dem man mir mitgeteilt hat, dass das was wir zusammen gemacht haben, vermutlich doch nichts für die Person ist. Das finde ich auch ganz wichtig, denn gerade wenn es sich um Personen handelt, die zum ersten Mal in einem Studio oder bei einer Domina sind, oder die überhaupt zum ersten Mal in den Bereich des BDSM hinein schnuppern, kann es schon mal vorkommen, dass die Umsetzung nicht halb so toll ist, wie das, was man sich in der Phantasie schon ausgemalt hat.

Langer Rede, kurzer Sinn: Feedback ist wichtig!

Wir lernen davon, können unser Angebot und unsere Herangehensweise optimieren und erweitern, und es tut uns einfach auch total gut, wenn wir Menschen glücklich und zufrieden machen konnten und uns das auch mitgeteilt wird!

Aus diesem Grund habe ich nun auch endlich ein Gästebuch auf meiner Homepage eingerichtet, damit ihr mir direkt (Session-)Feedback, konstruktive Kritik oder auch einfach mal einen netten Gruß da lassen könnt.

Und für diejenigen, die noch überlegen, ob sie mal einen Termin mit mir buchen möchten, gibt es jetzt neuerdings auch einen Sessionfragebogen. Der hilft mir bei der Vorbereitung auf die Session und die Person, mit der ich mich auseinandersetzen werde, und ich erhoffe mir davon, dass er mich dabei unterstützt, tolle Sessions zu gestalten, die dann wiederum zu konstruktivem Feedback führen!

Barrierefreiheit my ass …

Es ist Juli, und somit auch Disability Pride Month.

Passend dazu habe ich hier mal wieder einen Blogbeitrag für Euch, der aufzeigt, wie weit wir von tatsächlicher Barrierefreiheit entfernt sind. Vorneweg – ich habe zwar chronische Erkrankungen, aber keine Behinderungen. Ich spreche nicht für behinderte Menschen, nur manchmal mit ihnen. Wenn ihr Euch für die Lebensrealitäten behinderter Menschen interessiert, für ihre Wünsche, ihre Kämpfe, ihre Forderungen, ihre berechtigte Wut und insgesamt das Leben mit Behinderung, dann lege ich Euch sehr ans Herz, ihnen auf social media zu folgen, ihre Blogs und Bücher und wissenschaftlichen Arbeiten zu lesen, ihre Youtube-Kanäle zu abonnieren und nicht nur das zu konsumieren, was Menschen ohne Behinderungen über sie schreiben!

Disability Pride Flag

Bildquelle: Wikimedia
Lizenz: CC0 1.0 Universal (CC0 1.0) Public Domain Dedication

Ach Hamburg, manchmal machst Du es einem aber auch nicht ganz so leicht!

Heute schreibe ich ein zweites Mal über ein Thema, das mich sowohl beruflich als auch privat immer wieder beschäftigt. Den ersten Teil habe ich Ende September 2020 geschrieben, nachdem ich eigentlich nur mit einem tollen Mann in Hamburg einen Kaffee trinken und mich unterhalten wollte. Ihr könnt ihn hier finden:

Nun, gestern habe ich ein weiteres Mal erleben können, wie es zum Beispiel Menschen im Rollstuhl so ergehen kann, wenn sie Hamburg besuchen. Dieses Mal ging es nicht nur um einen Kaffee im Lokal, sondern auch um Hotelübernachtungen.

Wie Ihr vermutlich wisst, bin ich als Domina nicht nur im Studio tätig, sondern mache auch Hotelbesuche. Das ist nicht zuletzt deswegen so, weil viele BDSM-Studios, in denen ich mir Räume mieten kann, alles andere als barrierefrei sind. Eine Treppe ins Untergeschoss, etliche Stufen in den ersten Stock, weil der Aufzug selten funktioniert, schmale und verwinkelte Flure, Räume, die so zugestellt sind mit Spielgeräten, dass ein Drehen und Wenden mit einem Rollstuhl nicht komplikationslos möglich ist, Duschwannen, die viel zu hoch sind – die Liste könnte noch um etliche Punkte erweitert werden, da ich mich jetzt bei allen aufgeführten Punkten in erster Linie auf Hürden für Gehbehinderte oder Menschen im Rollstuhl konzentriert habe. Das sind aber natürlich nicht die einzigen Behinderungen, die Menschen vor massive Probleme stellen können, wenn es darum geht, einen Besuch im Studio zu planen. Es gibt natürlich auch andere Behinderungen, die entsprechende Ansprüche und Voraussetzungen bei der Zugänglichkeit eines Studios mitbringen.

Ich mache übrigens noch nicht mal grundsätzlich den Studio-Besitzer*innen einen Vorwurf. Studios können nun mal nicht beliebig irgendwo rein gebaut werden. Sogenannte Prostitutionsstätten, zu denen BDSM-Studios auch gezählt werden, sind bekanntlich nicht so gerne gesehen. Schon gar nicht irgendwo deutlich sichtbar, gut erreichbar im gerade neu errichteten, modernen und vor allem barrierefreien Gebäude, das jetzt auf schicke Wohnungen oder Büros wartet. Wäre die Sexarbeit allgemein anerkannt, nicht so hochstigmatisiert und sollte sie nicht am liebsten unsichtbar in irgendwelchen Hinterhöfen stattfinden, dann hätten wir mit Sicherheit sehr viel mehr BDSM- und Tantrastudios, Bordelle, Clubs und ähnliche Einrichtungen, die barrierefrei sind. Das ist eben auch eine der vielen Auswirkungen von Stigmatisierung! Aber zurück zum eigentlichen Thema:

Vor ein paar Tagen erhielt ich eine Anfrage via E-Mail. Nichts außergewöhnliches, ob zu einem bestimmten Datum, zu einer bestimmten Uhrzeit ein Hoteltermin möglich wäre. Mit der Zusatzinformation, dass der Verfasser der E-Mail auf einen Rollstuhl angewiesen sei. Er sei für ein paar Tage in Hamburg und würde mich gerne in seinem Hotel empfangen. Alles klar, kein Problem! Also, das dachte ich zumindest zu dem Zeitpunkt.

Wir zurren die Verabredung verbindlich fest, ich bekomme von dem zukünftigen Gast, nennen wir ihn Adam, die Adresse des Hotels und sehe mir wie immer an, wo es hingehen soll. Ein Viersternehotel, mit sehr guten Bewertungen. Ach, das ist ja toll. Und auch nicht weit weg, ich muss also nicht quer durch Hamburg gurken. Aha, das Hotel hat gerade mal drei barrierefreie Zimmer, das macht mir sofort Gedanken, aber nachdem Adam ja ein Zimmer fest gebucht hat, wird es da ja wohl keine Probleme geben. Tja, Pustekuchen!

Am Tag des Termins finde ich morgens eine E-Mail im Postfach. Es hätte Probleme bei der Buchung gegeben, ob wir uns auch in einem anderen Hotel treffen könnten? Ja, alles gut, das ist kein Problem. Auch dieses Hotel sehe ich mir an, und schlucke erst einmal, weil es sich um ein Hotel einer Kette handelt, die ich normalerweise für berufliche Termine meide, da sie bessere Schuhkartons als Zimmer bezeichnet. In diesem Fall war es aber nicht die „budget“-Variante, sondern ein Dreisternehotel mit ebenfalls guten Bewertungen und laut Homepage immerhin sieben barrierefreien Zimmern. Na gut. Ich mache mich also an dem Tag fertig, packe meine sieben Sächelchen ein und lasse mich zum Hotel fahren, wo mich Adam in der Hotelbar erwartet. Sehr sympathischer Herr, auf die 70 zugehend, attraktiv und gepflegt, humorvoller und angenehmer Gesprächspartner – die Chemie stimmt auf Anhieb. Und wie immer bestehen meine Termine nicht nur aus tollen und anregenden Dingen, die man so zusammen machen kann, sondern auch aus Gesprächen. Dabei erzählt er mir, wie es dazu kam, dass er nicht in seinem ursprünglichen Hotel abgestiegen ist.

Adam war vor einigen Wochen schon einmal in diesem Hotel, und weil er an sich sehr zufrieden damit war, hat er sich für diesen Aufenthalt noch einmal ein Zimmer gebucht. Gestern kommt er nun, nach acht Stunden Autofahrt, in Hamburg an und möchte im Hotel einchecken. Nach so einer langen Fahrt ist er natürlich etwas müde und will eigentlich nur sein Gepäck abstellen und entspannen. Dumm nur, dass das Personal an der Rezeption ihm sagt „Oha, wir haben ja nur drei barrierefreie Zimmer, und die sind alle belegt!“ Also, ich wäre zu dem Zeitpunkt ja einmal gepflegt ausgerastet! Bei der Erzählung ist mir wirklich etwas die Kinnlade runter gefallen. Als ob es nicht schon genug wäre, dass viele Hotels gar keine und andere nur wenige barrierefreie Zimmer haben, und man deswegen explizit so ein Zimmer buchen muss, ist es dann einfach mal nicht verfügbar? Ein absolutes Unding!

Adam ist allerdings ein sehr entspannter Mensch, lässt sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen und versucht noch bei zwei weiteren Hotels ein barrierefreies Zimmer zu bekommen. Ohne Erfolg – die wenigen Zimmer die geeignet wären, sind alle belegt. Schlussendlich ist er in dem Hotel, in dem wir uns dann doch treffen können erfolgreich. Also, sozusagen.

Direkt vor dem Eingang sind einige wenige Behindertenparkplätze. Zu wenige für meinen Geschmack, mit viel Schubsen können da maximal 3 Autos stehen, aber immerhin. Der Eingang ist barrierefrei, die Lobby aber nicht gerade großzügig. Ein paar Säulen stehen ungünstig im Raum, wie ich finde. Der Bereich mit den Stühlen direkt neben dem Eingang, der noch zur Bar gehört, ist verhältnismäßig eng, aber noch im tragbaren Rahmen. Die Aufzüge sind knapp bemessen. Adam in seinem leichten Rollstuhl und ich mit meinem kleinen Dominaköfferchen passen rein, das war es dann aber auch schon. Die Tasten im Aufzug sind auf der üblichen Höhe, es gibt auch keine Haltemöglichkeit wie zum Beispiel Griffe an denen sich ältere Menschen oder jene mit unsicherem Gang festhalten könnten. Die Flure sind ok, nicht übermäßig großzügig, aber auch nicht super eng. Allerdings wäre es vermutlich schon ein Problem, mit einem Rollstuhl an einem der Putz- oder Wäschewagen bequem vorbeizukommen. Das ginge, aber eben nur gerade so.

Als wir in seinem Zimmer ankommen, trifft mich fast der Schlag! Ja, es ist ein für zwei Personen ausreichend großes Bett vorhanden – das Hotel scheint überhaupt keine Einzelbetten zu haben. Ja, Adam kann sich mit seinem Rollstuhl in dem Raum bewegen, aber der breite Kunstlederhocker, der an der Wand vor dem Fußende des Bettes steht, ist nicht gerade günstig platziert, das ist schon recht eng beim Manövrieren. Da der Raum aber insgesamt relativ klein ist, gäbe es auch schlicht keine andere Möglichkeit, das Ding umzustellen. Das Bad ist allerdings ausreichend groß mit einer leichtgängigen Schiebetür und breitem Türrahmen, einer nicht übermäßig großen, aber ebenfalls ausreichenden Dusche mit klappbarem Wandsitz, die aber so neben der Toilette platziert ist, dass diese bei etwas ausgiebigeren Duschaktionen unweigerlich nass wird, wenn man den Duschvorhang nicht nutzt. Den hat Adam jedoch so gut es ging in die Handtuchhalterung neben dem Waschbecken gestopft, weil er sonst mit dem Rollstuhl darin hängen geblieben wäre. Das ist nicht gut gelöst. Und überhaupt – Duschvorhänge in Hotelzimmern finde ich persönlich hygienisch eher problematisch, aber das ist vielleicht nur mein Tick.

Ich teile nicht ganz Adams Meinung, dass die Hotelzimmer den Charme von besseren Jugendherbergen haben, aber es ist halt ein allgemeines „Das geht gerade so“-Gefühl. Für 116€ die Nacht finde ich das alles andere als angemessen!

Was mich auch sofort sehr beschäftigt hat: Nicht alle Menschen, die einen Rollstuhl nutzen, haben einen leichten, schmalen Rollstuhl. Selbst ich als nicht behinderter Mensch weiß, dass es sehr unterschiedliche Modelle gibt, was die Größe und vor allem Breite angeht. Und es gibt E-Rollis, die einfach mehr Platz brauchen als so ein relativ leichter und einfacher Rollstuhl, wie ihn Adam besitzt. Natürlich bin ich keineswegs Expertin für Rollstühle, aber ich bin ziemlich sicher, dass nicht alle Menschen im E-Rolli gut zwischen Bett und Hocker vorbei kommen würden. Vermutlich gibt es auch da etwas sportlichere, schmale Modelle, und ich kenne auch zugegeben nur zwei Menschen im E-Rolli persönlich, aber deren Rollstühle sind definitiv deutlich breiter als Adams Gefährt. Mal ganz abgesehen davon, dass es einfach auch große und voluminöse Menschen gibt, die dann nicht unbedingt den Smart oder Mini unter den Rollstühlen wählen können oder wollen.

Insgesamt war das alles machbar, es war mit Sicherheit besser als ein nicht explizit als barrierefrei bezeichnetes Zimmer, aber mann ist da noch Luft nach oben! Ich finde es schon ein Armutszeugnis, dass es in einer Großstadt wie Hamburg so schwierig ist, problemlos ein barrierefreies Zimmer zu bekommen. Von den Preisen fange ich gar nicht erst an! Keineswegs alle behinderten Menschen haben ein so gut gepolstertes Portemonnaie wie Adam. Und auch Rollstuhlfahrer*innen möchten mal eine Städtetour oder Urlaub machen, ohne dafür gleich einen Kleinkredit aufnehmen zu müssen! Da muss es doch auch endlich mal vernünftige und erschwingliche Optionen geben! Gerade junge Menschen möchten vielleicht auch einfach mal ein Wochenende mit Freunden zusammen unterwegs sein, feiern, Sightseeing machen usw. Die können sich doch über 100€ die Nacht wirklich nicht einfach aus der Portokasse nehmen! Aber die finanzielle Benachteiligung behinderter Menschen in nahezu allen Lebensbereichen, der Umstand, dass Vermögen zu haben, etwas anzusparen, für viele behinderte Personen gar nicht so einfach möglich ist, das ist ein weiteres Riesenfass, das ich in diesem Blogbeitrag gerade nicht aufmachen möchte.

Neben den Beobachtungen bezüglich der Barrierefreiheit, haben Adam und ich uns auch über andere Dinge unterhalten. Nicht zuletzt über etwas, was mir immer wieder entgegen kommt, wenn ich mich mit behinderten Personen unterhalte. Der Umstand, dass ihnen sexuelle Bedürfnisse abgesprochen werden. Dass zum Beispiel Menschen im Rollstuhl grundsätzlich „Ach, da „geht“ doch bestimmt auch gar nichts mehr!“ entgegen kommt. Adam sitzt im Rollstuhl, weil er sich bei einem Unfall vor 20 Jahren unter anderem den 12. Brustwirbel gebrochen hat. Er kann seine Beine nicht mehr steuern, spürt sie aber sehr wohl, und auch was eine Erektion angeht, gibt es keine Probleme. Ich … äh, habe das getestet. Das ist natürlich nicht bei allen Menschen gleich. Es gibt völlig unterschiedliche Gründe, warum Personen zeitweise oder dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Aber was immer gleich ist – es wird automatisch vorausgesetzt, dass sie keinen Sex haben. Jott bewahre, wenn Behinderte auch sexuelle Bedürfnisse haben! Den Wunsch nach Zärtlichkeit, nach der Befriedigung ihrer Lust, die Freude an zarten oder harten BDSM Praktiken usw. Was man sich nicht vorstellen kann, das darf wohl nicht sein, wenn es nach den Köpfen einiger ignoranter Menschen ginge. Ich finde das sehr frustrierend. Wie bei allen Menschen ist der Weg, der zum gewünschten Ziel führt, sehr unterschiedlich. Wie bei allen Menschen sind die Bedürfnisse ebenfalls sehr unterschiedlich. Sexualität funktioniert nun einmal nicht nach Schema F!

Wenn manche Dinge nicht so funktionieren, wie man es vielleicht bisher gewohnt ist, ja, dann fragt man halt die Person, die ihren Körper am besten kennt, wie etwas toll und angenehm und gut ist. Was funktioniert und was eben nicht funktioniert. Ich glaube nicht eine einzige behinderte Person setzt voraus, dass ihre Sexualpartner*innen auf Anhieb wissen, was ihnen wie am meisten Lust verschafft. Das kriegen wir ohne Kommunikation doch auch bei unseren nicht behinderten Sexualpartner*innen nicht immer sofort hin!

Wenn ihr Euch bisher keine Gedanken darüber gemacht habt, dass behinderte Personen auch Sexualität haben, weil ihr sie sozusagen als „sex- oder geschlechtslos“ wahrgenommen habt – think again! Behinderte Männer, Frauen und nichtbinäre Personen haben genauso schmutzige Phantasien (und den passenden Humor), genauso hohe Ansprüche an Personen mit denen sie intim werden möchten, genauso sexuelle Bedürfnisse wie nichtbehinderte Menschen. Dass ich das hier überhaupt schreiben muss, weil ich immer wieder merke, dass es bei vielen Menschen noch nicht angekommen ist, ist eigentlich ein Trauerspiel!

Mein Fazit von dieser einerseits sehr schönen, andererseits auch durchaus frustrierenden Begegnung:

Hamburg ist, wie so viele Städte in Deutschland, noch immer weit davon entfernt, ein Paradebeispiel für Barrierefreiheit zu sein. Wir haben 2022 for fucks sake! Städte, die sich als modern, innovativ, als lebenswert bezeichnen, sollten so langsam mal in die Puschen kommen, wenn es um die Möglichkeit von Teilhabe und wenn es um Barrierefreiheit geht!

Spaß für Erwachsene? Nur mit erwachsenem Verhalten!

Mal wieder so eine Nummer. Das kommt in letzter Zeit immer häufiger vor.

Man(n) möchte einen Termin mit mir. So weit, so gut, dafür bin ich ja da, nicht wahr? Aber dann nach der ersten Kontaktaufnahme über Wochen oder gar Monate ein Hin und Her und dieses geht nicht, und das wäre vielleicht besser. Konnte man sich dann endlich auf einen Termin einigen und ich fasse noch einmal meine Konditionen zusammen, also den Preis, dass eine kleine Anzahlung gewünscht ist, dass der Mann geimpft sein muss oder ähnliches – zack! Funkstille. Ghosting.

Und es ist ja nicht so, dass diese Dinge nicht vorher schon angesprochen wurden.
Manchmal frage ich mich ja, was in den Köpfen dieser Menschen vorgeht? Das ist zum Beispiel genau der Grund, warum ich gar nicht erst zu einem Termin losfahre, wenn ich davor keine Anzahlung erhalten habe: Ich möchte am Ende nicht vor verschlossener Tür stehen oder einen Raum gemietet haben, und der potentielle Gast taucht nicht auf.

Dabei wäre es so einfach, das zu klären. Jemand möchte keine Anzahlung machen, fühlt sich damit nicht wohl oder hat gar Sorge, dass er selbst über den Tisch gezogen wird? Na, dann findet man einen Kompromiss. Dann kann das Date halt nicht als Hausbesuch stattfinden, sondern zum Beispiel in einem Studio. Dann kann sich der Gast halt den Termin nicht ganz so frei aussuchen, sondern muss warten, bis ich einen anderen (angezahlten) Termin in einem Studio habe, und ihm Bescheid sage, dass er an dem entsprechenden Tag gerne auch kommen kann.

Das ist ähnlich wie mit 30-Minuten-Terminen. Die biete ich zum Beispiel regulär gar nicht an. Aber wenn ich ohnehin eine längere Session vereinbart habe und vor Ort bin, dann kann ich auch noch 30 Minuten länger im Studio bleiben, wenn es passt.

Ähnlich handhaben es auch einige andere Kolleg*innen. Wem das dann allerdings nicht in den Terminplan passt, dem kann ich auch nicht weiterhelfen. Ich habe meine Konditionen, und wenn ich jemandem schon entgegen komme, dann muss auch die andere Person Kompromisse machen.

Man kann über alles reden, aber dieses komplette Ghosting, das geht gar nicht! Dass Sexarbeitende dann die Nummer blocken und eine Terminanfrage nicht mehr angenommen wird, das ist ja dann hoffentlich klar? Unser Business ist eine sehr anregende Sache für Erwachsene, die allen Beteiligten Spaß machen soll. Aber Voraussetzung dafür ist ein entsprechendes, erwachsenes Verhalten.

Alkohol und Kurznachrichten

Liebe potentielle Kunden, ich habe hier mal einen ganz heißen Tip für Euch:

Alkohol und Euer Smartphone sind keine gute Kombination! Nee. Echt nicht.

Natürlich habe ich, wie jeder vernünftige Mensch, mein Smartphone auf „Nicht stören“ eingestellt, wenn ich schlafen gehe. Zu oft haben irgendwelche Zerebral-Asketen das unstillbare Verlangen, mitten in der Nacht anzurufen oder einen ungefragten Videoanruf zu starten. Nicht nur den Ton aus, auch keine Vibration, denn die würde mich unweigerlich auch aufwecken. Zumindest, wenn solche Aktionen am Start sind wie im Laufe dieses Textes beschrieben. Die seltsame Idee, dass wir alle 24/7 wach und verfügbar sind, ist ja auch so ein Thema für sich, über das ich vielleicht ebenfalls einmal schreiben werde. Es geht mir in diesem Text jedoch nicht darum.

Es geht mir um Menschen, die vermutlich in einer Mischung aus Geilheit und zu viel Alkohol, so einen richtigen Telefonterror an den Tag (oder vielmehr die Nacht) legen. Die absolut kein Gefühl dafür haben, dass die Person am anderen Ende der erhofften Verbindung auch mal Feierabend hat, auch Schlaf benötigt und nicht zwingend eine nachtaktive Lebensform ist.

Die Idee scheint ja irgendwie in vielen Köpfen hartnäckig und ohne Miete zu zahlen zu wohnen, dass Sexarbeitende ihre Tätigkeit ja nur im Dunkel der Nacht, wenn „anständige“ Menschen schlafen, ausüben. Und natürlich gibt es Kolleg*innen, die gerne Abends und Nachts arbeiten. Aber ein großer Teil möchte das haben, was auch andere Menschen wünschen:
Eine ruhige und entspannte Nacht. So richtig mit schlafen, träumen, aufs Kopfkissen sabbern und auf keinen Fall mit Unterbrechungen, damit man nicht am nächsten Morgen wie ein Zombie zur Kaffeemaschine schlurfen oder das eigene Spiegelbild fragen muss „Wer sind Sie und was tun Sie in meinem Bad?!“

Klar, wer kennt es nicht oder kennt zumindest jemanden, der die Tendenz hat, es zu tun: Man hat vielleicht ein bisschen zu viel getrunken und die sentimentale Anwandlung, mitten in der Nacht einen Ex anzuschreiben oder anzurufen und ihm wahlweise die große, ewige Liebe zu gestehen, oder ihm an den Latz zu knallen, wie doof er ist und schon immer war und überhaupt! Das passiert und das ist schon unangenehm genug am nächsten Morgen, wenn der Nebel sich langsam lichtet. Aber über solche SMS, Nachrichten oder Anrufe kann man ja im Nachhinein vielleicht ein bisschen peinlich berührt schmunzeln, und dann das Mäntelchen des Schweigens darüber ausbreiten.

Was aber manche potentiellen Kunden von uns Sexdienstleister*innen so abziehen, geht echt auf keine Kuhhaut! Selbst eine Mammuthaut wär’ nicht groß genug!

Kürzlich hatte ich wieder so ein besonders apartes Exemplar – hier der Verlauf:

Von 3:37 bis 3:42 Uhr: 9 WhatsApp

Der Inhalt der Nachrichten hätte problemlos in eine einzelne WhatsApp gepasst. Jeden Satz einzeln abzuschicken über mehrere Minuten, das ist doch echt nervig, auch am Tag, wenn ich wach bin.

Schreibt doch grundsätzlich, was ihr möchtet, in ein oder zwei Nachrichten und vor allem – denkt vor dem Lostippen darüber nach, was ihr überhaupt sagen oder fragen möchtet!

Zwischen 3:48 – 7:28 Uhr: 9 verpasste Sprach- oder Videoanrufe über WhatsApp

Wie kommt man eigentlich auf die Idee, ungefragt fremde Menschen via Videoanruf kontaktieren zu wollen? Das wird sich mir nie erschließen. Unabhängig davon, ob privat oder beruflich – man vereinbart doch dafür auch einen bestimmten Zeitpunkt, damit man Ruhe hat, damit keine anderen Menschen in der Nähe zuhören oder zusehen, die das nicht sollen usw.

Wenn so ein unbekannter Anrufer mich ohne Absprache mit einem Videoanruf beglückt, denkt er dann nicht darüber nach, dass nicht nur ich, sondern eventuell auch andere Menschen ihn dann sehen könnten? Dass ich mal eben einen Screenshot machen könnte? Kurz gesagt, dass seine Anonymität keineswegs gewährleistet ist und so eine Aufnahme irgendwann als Meme vom „Übergriffigen Wi**er, der nachts ungefragte Videocalls macht“ auch im Umkleideraum seines Fußballvereins geteilt werden könnte? No worries – ich tue das nicht, aber ich kann nicht garantieren, dass alle Menschen die Diskretion wahren, wenn sie so richtig genervt sind.

Ich nehme grundsätzlich keine Videoanrufe an, wenn ich das nicht explizit vorab vereinbart habe. Ganz sicher nicht mitten in der Nacht! Ich habe verschiedene Onlineangebote, bei denen wir gerne einen Videocall einbauen können, aber das dann abgesprochen und geplant.

Auch Sprachanrufe lehne ich um diese Uhrzeiten übrigens ab, duh!

Um 3:52 Uhr: 3 SMS mit dem tiefsinnigen, geradezu philosophischen Inhalt:

„Noch wach?“
„Masntte […]“ hier“
„WhatsApp?“

Ich denke, dazu muss ich eigentlich nichts sagen. Wenn ich via WhatsApp nicht auf Nachrichten reagiere, warum sollte ich auf SMS antworten?

Zwischen 3:55 – 7:28 Uhr 9 verpasste Anrufe

Weil es ja ganz klar ist, wenn ich die Anrufe via WhatsApp nicht angenommen habe, die Nachrichten nicht lese und generell nicht antworte, dass es total viel Sinn macht, es dann mit regulären Anrufen zu versuchen, oder?!

Diese Logik erschließt sich mir nicht. Aber vermutlich ist da auch keine Logik dahinter. Zumindest keine, die ein nüchterner Mensch nachvollziehen kann.

Und wie komme ich jetzt darauf, dass die Person möglicherweise blauer als Käpt’n Blaubär war?

Weil es nicht das erste Mal ist, dass sie diese Schoten abgezogen hat. Das erste Mal im Juni 2021. Da habe ich mir schon einmal sehr ausführlich Luft gemacht und dieses Verhalten mehr als nur ein bisschen gerügt. Damals kam zumindest eine halbherzige Entschuldigung und im Nachgang eine Anfrage, die dann im Sande verlief.

Das zweite Mal ein paar Monate später im September. Da habe ich schon gar nicht mehr groß reagiert, aber ganz offensichtlich vergessen die Nummer zu blockieren.

Und nun vor ein paar Nächten. Jedes Mal waren es Samstage, also die Tage, an denen viele Menschen, die in regulären Jobs arbeiten, frei haben und nach denen sie am nächsten Tag ausschlafen können. Oder anders gesagt – Tage, an denen übermäßiger Alkoholkonsum passieren kann, ohne am darauf folgenden Tag irgendeine Arbeitsleistung erbringen zu müssen.

Wenn ich die Nummer jetzt nicht blockiert hätte, erwarte ich in 3-4 Monaten die nächste nächtliche Telefonterror-Attacke ungefähr in der Mitte des Monats, an einem Wochenende. Viele solcher Kandidaten legen eine gewisse Regelmäßigkeit an den Tag, wie ich auch schon von Kolleg*innen erzählt bekommen habe.

Also nochmal zum mitschreiben – legt Euer Smartphone außer Reichweite, wenn ihr Euch nicht zusammenreißen könnt. Ich mache keinem Menschen einen Vorwurf, wenn er mal einen über den Durst trinkt. Auch nicht, dass man Bedürfnisse hat, die eventuell durch das Nichtvorhandensein von Partner*innen oder anderen Erfüllungsgehilf*innen gerade nur von Sexarbeitenden gestillt werden können. Hey, das ist unsere Profession!

Aber bedenkt dabei bitte:
Auch wir Sexarbeiter*innen schlafen ganz gerne Mal nachts und haben auch mal frei. Ja, ich weiß. Schockschwerenot!

Wenn es am nächsten Morgen noch so „dringend“ ist, könnt ihr ja gerne eine wohlformulierte Anfrage schreiben. Also, falls der zu erwartende Kater es erlaubt. Falls nicht, tun es eine große Menge Wasser, eine Aspirin und ein paar Mineralstoffe eventuell auch. 😉

Nicht alles ist käuflich

Die meisten Kolleg*innen kennen es – man bekommt eine Anfrage, erst einmal noch ganz höflich formuliert. Ungünstigerweise ist es eine Praktik oder ein Setting, das man selbst nicht anbietet (damit meine ich ausdrücklich nicht AO – wer das anfragt, wird sofort ignoriert, nachdem er meine deutliche Meinung dazu gehört hat!). Man sagt also „Nein Danke, das biete ich nicht an. Ich könnte Dir aber dieses oder jenes anbieten.“

So weit, so gut. Man hat es ja mit erwachsenen Menschen zu tun, und erwartet, dass ein Nein, also die eigenen gesetzten Grenzen, respektiert werden, oder?

Tja, weit gefehlt! In über 50% solcher Fälle, versuchen die Anfragenden dann, mich zu überreden.

„Aber warum denn nicht? Du könntest das doch bestimmt super!“
„Kannst Du nicht einmal für mich eine Ausnahme machen?!“
„Ich will das aber mit Dir, Du bist doch Domina, das kannst Du doch machen!“
„Ich bezahle auch das Doppelte, sei doch nicht so!“

Manchmal werden sie so hartnäckig, dass ich sie blockieren muss, nur um festzustellen, dass auf anderen Kanälen weiter gedrängelt wird. Selbst auf meinen Social-Media-Kanälen wird dann gebettelt und genörgelt, wie unfair das doch sei.

Wenn auch das nichts bringt, wird man beleidigt.

Lasst es mich mal ganz deutlich formulieren:

Wer ein Nein bei einer Anfrage nicht akzeptiert, wird keinen Termin mit mir bekommen. Auch nicht für ein anderes Setting und mit Praktiken, die ich anbiete!

In der Sexarbeit ist gegenseitiges Einverständnis Voraussetzung. Das Mindestmaß an Vertrauen darauf, dass nichts passiert, was einer von den Beteiligten nicht will. Ich ziehe ja als Domina auch nicht einfach mein Ding durch, ohne Rücksicht auf die Vorlieben und Tabus meiner Gäste. Wenn also jemand nicht akzeptiert, dass auch ich Grenzen habe, dann wird diese Person keinen Fuß in meine Nähe setzen. Die persönlichen Grenzen und NoGos anderer Menschen sind zu respektieren, ohne Wenn und Aber. Vielleicht findet sich ja eine andere Kolleg*in, deren Ding genau das gewünschte Szenario ist.

Der Versuch, mit mehr Geld etwas zu bekommen, was jemand anderes nicht machen möchte, ist absolut daneben und bringt niemanden weiter. Man kann unsere Dienstleistungen kaufen, aber nicht uns.

Und mal ernsthaft – wollt ihr wirklich ein Szenario, von dem ihr ganz genau wisst, dass das Gegenüber absolut keinen Spaß daran oder sogar eine explizite Abneigung dagegen hat? Etwas, was eine Person vielleicht nur deswegen tut, weil sie gerade dringend Geld verdienen muss? Dann würde ich die eigene Motivation aber mal ganz dringend hinterfragen! Wir sind keine Gegenstände, keine Wegwerfartikel zur einmaligen Benutzung.

Die Kondompflicht in der Sexarbeit

Diesen Text habe ich ursprünglich als einen etwas längeren Thread für Twitter mit meiner persönlichen Meinung zum Thema Kondompflicht geschrieben.

Ich habe tagelang überlegt, ob ich dieses Thema anpacken soll. Aber mittlerweile scheint kein Weg mehr daran vorbei zu führen. Also, worum geht es?

Um diesen Paragraphen im sogenannten „Prostituiertenschutzgesetz“: § 32 Kondompflicht

Sexarbeitsgegner*innen befürworten diesen Paragraphen sehr. In ihren Augen trägt er zum Schutz der Sexarbeitenden bei. Auch manche Sexarbeiter*innen finden ihn gut. Warum also sind viele Sexarbeitenden-Vereinigungen, und zum Beispiel die Deutsche Aidshilfe seit Jahren gegen eine Kondompflicht? Gerade die Aidshilfe wird deswegen ja unglaublich oft heftig angefeindet und als „unterwandert von der Sexworker-Lobby“ bezeichnet.

Nun, an sich ist es auf den ersten Blick gut und vermeintlich hilfreich, hartnäckigen Kunden sagen zu können, dass AO („Alles Ohne“, also jegliche Form von Verkehr ohne Schutz) gesetzlich verboten ist. Allerdings bietet das Gesetz keinerlei wirklichen Schutz, schon gar nicht für Sexarbeitende. Wer hartnäckig nach AO fragt, dem ist es schlichtweg egal, ob es erlaubt oder verboten ist. Das zeigt die nach wie vor hohe Nachfrage nach Sex ohne Schutz und wenn eine Kollegin nein sagt, wird halt versucht, die nächste zu überreden oder gar zu zwingen.

Gerade jetzt in der Pandemie wurde offensichtlich, dass die am prekärsten arbeitenden Kolleg*innen immer öfter zu Praktiken ohne Schutz gedrängt werden, und – Gesetz hin oder her – oft bleibt ihnen nichts anderes übrig, wenn sie überleben wollen. Daran ändert ein Gesetz nichts. Klar, wenn zum Beispiel ein*e Bordellbetreiber*in die anmietenden Sexarbeitenden dazu drängen wollen würde, AO zu arbeiten, dann hätten die Kolleg*innen theoretisch die Möglichkeit, sich qua Gesetz dagegen zu wehren. Aber wer würde das wirklich tun? Es ist schon eher unwahrscheinlich, dass sich Sexarbeiter*innen, die in solchen Etablissements arbeiten, zur Polizei bewegen oder sich gar anwaltliche Unterstützung holen können. Und die Sexarbeitenden, die sich das (tatsächlich und im übertragenen Sinne) leisten können, arbeiten ohnehin mit Kondom und können es sich auch leisten, Anfragen dieser Art einfach zu ignorieren. Hier gibt es also keinen tatsächlichen, in der Praxis irgendwie spürbaren, sondern lediglich einen symbolischen „Wert“ dieses Gesetzes. Und, wenn mir diese Anmerkung erlaubt ist, die Gegner*innen stehen ja bekanntlich auf Symbolpolitik.

Lasst es mich mal deutlich machen: Der überwiegende Teil der Sexarbeitenden, auch auf Straßenstrich und Co, nutzt von sich aus Kondome. Warum? Weil der eigene Körper und die Gesundheit unser Kapital ist. Werden wir krank, vielleicht sogar mit etwas ansteckendem, dann können wir nicht arbeiten, kein Geld verdienen. Auch Schwangerschaften sind nicht unbedingt geschäftsfördernd. Sexarbeitende wissen in der Regel ziemlich gut Bescheid, wie man ansteckende Krankheiten vermeiden kann. Diejenigen, die es nicht wissen oder die keine andere Wahl haben, als alles zu machen um auch nur ein bisschen Geld anzuschaffen, haben erst einmal andere Probleme und da muss angesetzt und geholfen werden. Diesen Kolleg*innen hilft dieser Paragraph absolut gar nichts. Oder glaubt ihr, eine Prostituierte auf dem Straßenstrich, die Geld für den nächsten Druck, für etwas zu essen, oder gar für ihren Arschloch-Loverboy anschaffen muss, sagt „Nee Du, sorry. Hier nur geltendes Recht, nur mit Kondom!“ wenn sie wirklich, wirklich dringend Geld braucht?

Dieser Paragraph ist ein Alibi-Paragraph. Er nützt denen nicht, die ohnehin nur Safer Sex betreiben und denen, die keine andere Wahl haben, eben auch nicht. Er sieht nur gut aus, zumindest auf den ersten Blick. Ein „Schaut, wir tun was!“, ohne tatsächlich etwas zu tun. Wem er aber nützt, ist den Ordnungsbehörden. Wieso? Na ganz einfach: Sie dürfen es kontrollieren.

Ihr fragt Euch jetzt sicher Hä? Wie will man das kontrollieren?! Da müsste man ja…“

Ja. Genau. Es ist grundsätzlich möglich und tatsächlich schon passiert, dass die zuständige Ordnungsbehörde in einer Region buchstäblich Sexarbeitende vom Kunden herunter „gebeten“ hat, um nachzusehen. Nein. Das ist kein Scherz! Und genau deswegen sind viele Sexarbeitende, Beratungsstellen und Sexworker-Organisationen gegen die Kondompflicht. Sie erlaubt nämlich massive Eingriffe in die sexuelle Selbstbestimmung sowohl von Sexarbeiter*innen als auch von Kund*innen.

Wo man sonst keine Handhabe hat, irgendwas zu kontrollieren (Hotel/Wohnung ist ok, es ist kein Sperrgebiet, ein Ausweis und die Anmeldung als Sexarbeitende*r ist vorhanden, alles im grünen Bereich), da kann man theoretisch immer sagen „Ja wir mussten doch die Einhaltung der Kondompflicht überprüfen!“

Passiert das oft? Ich glaube nicht. Ist es schon passiert? Ja! Kann es jederzeit passieren? Ja! Und das geht einfach nicht!

Die Kondompflicht trägt nicht zur sexuellen Gesundheit von Sexarbeitenden bei!

Auch nicht zu der von Kund*innen, aber um diese geht es mir tatsächlich gerade nicht. Aufklärung, Beratung und Unterstützung bei Gesundheitsfragen sowie anonymer und niedrigschwelliger Zugang zu medizinischer Versorgung tut es! Deswegen setzt auch die Deutsche Aidshilfe zurecht auf genau diese Punkte, und applaudiert nicht einem völlig nutzlosen Paragraphen in einem total fragwürdigen Gesetz! HIV wurde auch nicht durch eine allgemeine Kondompflicht eingedämmt, sondern durch unermüdliche Aufklärung! Durch Beratung und Prävention. Stellt Euch mal vor, was das für ein Aufschrei in der Bevölkerung gewesen wäre, wenn der Staat so in die Bettbeziehungen der Bürger*innen hätte eingreifen wollen! Und wie hätte er das auch kontrollieren können? Lachhafte Vorstellung, oder? Aber warum denken dann so viele Menschen, die Kondompflicht in der Sexarbeit sei etwas Sinnvolles, Gutes? Warum ist es bei uns Sexarbeitenden ok, mit Zwängen umschrieben als „Pflichten“ zu hantieren, und uns damit auch unseren gesunden Menschenverstand und den Wunsch nach Selbstschutz abzusprechen?

Dieses Thema ist ein ziemlich heißes Eisen. Wer sich gegen eine Kondompflicht ausspricht, muss immer gut begründen warum er, sie oder they das tut, ansonsten wird ein Shitstorm sondergleichen aufziehen. Es ist die Stelle, an der Sexwork-Gegner*innen gerne den Hebel ansetzen und mit Schlamm werfen.

Und es ist ja vordergründig auch ein guter Hebel. Viele Menschen sind ja der Meinung, dass die Kondompflicht Sexarbeitende schützt, und ich selbst kann auch niemanden dafür verurteilen, dass er, sie oder they sichere Arbeitsbedingungen für Sexarbeiter*innen befürwortet! Es bringt auch nichts und ist meiner Meinung nach völlig am Ziel vorbei, zu sagen, dass der Paragraph „aus Prüderie“ oder von „verklemmten Sesselpupsern“ erdacht wurde. Das glaube ich nicht mal. Es kann sogar sein, dass manche Menschen, die auf die Einführung der Kondompflicht gedrängt haben, sich wirklich dachten, dass sie da was verbessern. Schlussendlich ist es aber einfach eine Möglichkeit zur Kontrolle, zu Eingriffen in Persönlichkeitsrechte und ja, auch in das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung.

Zu Weihnachten haben wir vom Sexworker Stammtisch in Köln über 200 Goodie Bags als Geschenke für Kolleg*innen auf der Straße gepackt und verteilt/verschickt. In jedem einzelnen Geschenk waren auch etliche Kondome. Ratet mal, warum Sexarbeitende größere Mengen Kondome in Goodie Bags für andere Sexarbeitende packen? Genau. Weil wir sie benutzen, da sie uns schützen, nicht, weil der Staat uns das aufzwingt.

Nochmal zum Schluss:

Prävention, Aufklärung, niedrigschwellige Hilfe schützt Sexarbeitende!
Nicht Repression oder ein nutzloser, aber nett aussehender Paragraph!

Marketing-Seminar für Sexarbeitende

Bitte was? Marketing Seminar? Für Sexarbeiter*innen? Ja, ihr habt richtig gelesen. Es gibt alle möglichen Seminare und Kurse für Sexarbeitende, natürlich auch welche, die sich mit Marketing befassen. Wir üben einen Beruf aus, es ist also mehr als naheliegend, dass wir uns wie in anderen Branchen auch fort- und weiterbilden möchten.

Genau zu so einem Seminar bin ich letzte Woche nach Berlin gefahren.

Der großartige Dominus Berlin hatte zum Seminar eingeladen, um Sexarbeitende an seiner reichhaltigen Expertise, sowohl in der Sexarbeit als auch im Marketingbereich, teilhaben zu lassen. Im Rahmen dieses Tages haben wir uns mit Themen wie Absatzsteigerung, klassischem und Fleißmarketing, Vertrieb usw. auseinander gesetzt. Klingt trocken? Naja, so trocken wie ein Seminar sein kann, an dem Sexarbeitende aus unterschiedlichen Branchenzweigen und aus ganz Deutschland teilnehmen halt so ist – gar nicht.

Aber beginnen wir von vorne. Donnerstagabend sind meine Begleitung und ich in Berlin gelandet. Ich muss gestehen, ich konnte mich nicht richtig erinnern, wann ich das letzte Mal diese nervenaufreibende Stadt besucht habe. Muss wohl so zu Beginn der 2000er Jahre gewesen sein. Ich sage es wie es ist – ich bin ein Landei. Ich schätze die Ruhe, vergleichsweise wenig Verkehr, die Natur und die Weite. Berlin ist das genaue Gegenteil davon, zumindest wenn man sich mitten in der Stadt befindet. Well, Challenge accepted. Immerhin bin ich aufgrund eines Seminars nach Berlin gefahren, und wenn es etwas gibt, was ich noch mehr schätze als mein Landleben, dann ist es neue Dinge zu lernen. Also Augen zu und durch!

Die erste Interaktion war dann auch amüsanter Weise mit einer Kollegin, die auf der Straße arbeitet. Das Hotel lag zufällig an einem Straßenstrich und die Dame hat mich auf dem Parkplatz angesprochen. Versehentlich, denn sie hat mich erst von hinten gesehen. Mit Glatze, Mantel und Plateaustiefeln die mich 10 Zentimeter größer erscheinen lassen, hatte sie mich im Dunkeln für ihre Zielgruppe gehalten. Als ich mich umgedreht habe, hat sie ihr Versehen bemerkt und sich entschuldigt, was ich mit „Aber kein Problem, ich arbeite etwas ganz ähnliches“ beantwortet habe. Nach ihrem überraschten „Ach, Sie machen diese Arbeit auch?“ haben wir ein bisschen geschnackt, was ich einen sehr gelungenen Einstieg in das verlängerte Wochenende in Berlin fand.

Um noch etwas Positives über diese Stadt zu sagen, ich war auch sehr glücklich, dass das Angebot an veganen Speisen so vielfältig ist. Als Vegetarierin, die einfach keine Milchprodukte verträgt, bin ich mit veganen Gerichten oder gar Restaurants einfach auf der sicheren Seite. Aber ich schweife mal wieder ab. Also eingecheckt, veganen Döner erbeutet, den Abend ausklingen lassen und am Freitagmorgen, nach dem Schnelltest, ging es dann los Richtung Seminar.

Auch hier wieder – danke Hauptstadt der Hipster! Ein Latte mit Hafermilch ist an jeder Ecke zu bekommen. Thank god! Ständig schwarzer Kaffee schlägt mir irgendwann doch auf den Magen. Man wird ja nich jünger, nech?

Wir entschlossen uns zu Fuß den knappen Kilometer zur Location zu spazieren und uns in Ruhe die Umgebung etwas anzusehen. Vor dem Gebäude angekommen, musste ich schmunzeln. Ich hatte mit einer ansprechenden Behausung gerechnet, aber gleich so was? Bereits beim Betreten des Hauses schwante mir, was für Räumlichkeiten da auf uns zukommen. Altbau, top renoviert, makellos gepflegt – die Wohnung schreit, was der Dominus ausstrahlt – ich bin teuer, und das zurecht. Dabei aber immer auf dem Boden geblieben. Nicht exaltiert, nicht geschmacklos. Absolute Bonuspunkte für die flauschige Mitbewohnerin! (Ja nun, ich bin Katzenmensch. Da ist eine Katze? Sie hat meine volle Aufmerksamkeit!)

Wir wurden sehr herzlich empfangen und nach und nach fanden sich auch die weiteren Teilnehmer*innen des Seminars ein. Eine bunte Mischung aus Sexarbeitenden unterschiedlichen Geschlechts, mit durchaus verschiedenen Arbeitsrealitäten. Super! Ich hatte ein bisschen Sorge, dass sich vielleicht nur Dominas gegenseitig Schwänke aus ihrem Alltag erzählen werden, dem war allerdings nicht so. Zusätzlich schön war auch, dass wir nicht die Einzigen waren, die extra für diese Veranstaltung nach Berlin gefahren sind. Manche Kolleg*innen haben noch weitaus weitere Wege auf sich genommen als wir von Hamburg aus.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ging es dann ans Eingemachte. Über mehrere Stunden und mit einigen kleinen Pausen für Austausch, haben wir über die drei goldenen Regeln des Dominus, Sexarbeit und Vertrieb, das Erstgespräch, das Pricing, die „Produktentwicklung“, Werbung, Bestandskunden usw. gesprochen. Fragen wurden ausführlich, aber nicht unnötig in die Länge gezogen, beantwortet. Immer sehr freundlich, man hatte insgesamt weniger das Gefühl einem Vortrag beizuwohnen, sondern viel mehr direkt mit einbezogen zu werden.

Vieles davon was wir da behandelt haben, war mir bereits aus meinen vorherigen beruflichen Tätigkeiten vertraut – wem das noch nicht bekannt ist, ich bin nicht nur gelernte Kauffrau, sondern habe jahrelang im Vertrieb gearbeitet und beispielsweise Werbeplätze für Businesskunden verkauft. Marketing und Vertrieb funktioniert im Grunde immer gleich, ich war aber sehr erfreut, dass ich ein paar verstaubte und fast vergessene Tools wieder ins Gedächtnis gerufen bekommen habe.

Sehr schön fand ich auch, dass die Zeit für persönliche Anmerkungen und Erzählungen was konkret für andere Kolleg*innen funktioniert oder nicht funktioniert, gegeben war – ohne, dass es den Ablauf gestört oder ausgebremst hätte. Sehr stringent, aber nicht mit der Brechstange, konnte der Dominus immer wieder zurück zum Thema lenken, es gab keine Holprigkeiten oder unangenehmen Pausen. Das ist für mich persönlich sehr wichtig, denn ich werde recht schnell unkonzentriert oder gereizt, wenn Vortragende sich das Zepter zugunsten unnötiger Verzettelungen aus der Hand nehmen lassen. Hätte mich allerdings auch gewundert, wenn er das nicht mit der üblichen Souveränität gehandhabt hätte.

Ich habe für mich in erster Linie ein paar Reminder und Anregungen mitgenommen, einen Tipp aber direkt am Sonntag einmal angewendet, der dann auch sofort die Woche darauf zu einem Termin geführt hat. Ich sage es mal so – 95€ Seminargebühr ausgegeben, 260€ eingenommen – das Ding hat sich gelohnt! Zumal ein wichtiger Punkt ja auch ist, dass der Dominus sich nicht an diesen Seminaren bereichert. Der überwiegende Teil der Einnahmen geht als Spende an den BesD e.V. Man investiert also nicht nur in das persönliche Geschäft, sondern unterstützt damit auch noch die Arbeit eines wichtigen Berufsverbandes. Win-Win würde ich sagen.

Insgesamt war das ein wirklich schöner Tag, und abgesehen davon, dass wir vermutlich alle etwas Gewinnbringendes (ha!) mit nach Hause und in unseren Arbeitsalltag nehmen konnten, war es auch einfach sehr schön mal wieder mit Kolleg*innen ins Gespräch zu kommen. Vor allem, wenn man sich ggfs. schon seit längerem gegenseitig zum Beispiel auf Twitter&Co folgt, und nun auch endlich mal einen persönlichen Eindruck von den Menschen hinter den Accounts bekommen hat. I regret nothing! Das war toll. Nuff said.

Falls Kolleg*innen nun auch mehr über des Dominus drei goldene Regeln erfahren oder das eigene Marketing-Game verbessern möchten – nichts leichter als das! Der Dominus bietet sowohl Einzelcoachings an, als auch ein weiteres Marketingseminar am 22. Juli 2022. Weitere Informationen findet ihr unter: https://www.dominus.berlin/profi_marketing/

Check it out – es lohnt sich!

Erfahrungsbericht „S.“

Moin zusammen, […]. Auch ich durfte Madame Simone bereits kennen lernen.

Auf Anhieb hat die Chemie gestimmt. Sicherlich auch deshalb ,weil sie unter anderen äußerst emphatisch ist. Und ihre Ehrlichkeit unterstreicht noch das authentische auftreten, trotz der geringen Körpergröße, womit sie sicherlich auch manchmal hadert. Aber das hat auch Vorteile. Kenner wissen was ich meine.

Sie ist eine kluge Schweizerin (ich habe aber keinen Dialekt fest gestellt) mit einer hohen sozialen Kompetenz. Ich erlebte sie fair, konsequent und mit Humor. Man merkt deutlich das sie ihre Leidenschaften auch auf privater Ebene, genau so wie ich, auslebt. Zumindest bei mir sind das mehrere Jahrzehnte.

Fachlich ist Madame Simone sehr kompetent. Da geht von zart bis hart so ziemlich alles was die Leidenschaft begehrt. Und sie weiß genau was sie tut. Insgesamt eine absolute Bereicherung für Hamburg. Trotzdem gibt es keine Empfehlung von mir, sonst bekomme ich möglicherweise keine Termine mehr 😉 .

Erfahrungsbericht „Sklave Frank“

Vor einigen Wochen durfte ich eine phantastische Session mit Madame Simone genießen.

Ein Kommentar von ihr zum Beitrag in diesem Forum „..zu eng zum fi*ten..“ machte mich neugierig darauf sie kennenzulernen.

Die Kontaktaufnahme per Email und danach per Telefon lief prompt und unkompliziert.

Als ich zum Termin in ein Hamburger Mietstudio kam hatten wir uns bereits ausgiebig beschnuppert und waren über die Art der geplanten Session einig geworden. Ohne weiteres Vorgespräch ging es dann gleich in eine sehr intime und spannende Session.

Mein Eindruck am Telefon, dass es sich bei Madame Simone um eine außergewöhnlich empathische und versierte Domina handelt bestätigte sich während der Session zu 100 %.

Gekonnt wanderte sie auf dem schmalen Grad zwischen authentischer Domina und Erfüllerin meiner Wünsche dahin. Mag sein, dass das an einem hohen Übereinstimmungsgrad unserer Vorstellungen von SM lag.

In jedem Fall aber auch an ihrer Erfahrung die sie auch aus der privaten SM-Szene mitbringt. Bei ihr konnte deutlich spüren, dass sie ihr „Hobby“ zum Beruf gemacht hat.

Wiederholungsfaktor 100 %

Mein Freund will zur Domina – was tun?

Vor ein paar Tagen bin ich in einem nicht völlig unbekannten deutschen Forum über einen Post einer jungen Frau gestolpert. In diesem schreibt sie, dass sie zusammen mit ihrem Freund schon ein bisschen im BDSM-Bereich experimentiert habe, das aber einfach nicht ihre Baustelle sei. Nun sei der besagte Freund aber offensichtlich kinky und habe Bedürfnisse, die sie leider nicht mit ihm zusammen ausleben könne und wolle.

Der Freund der jungen Frau habe offensichtlich nachgefragt, ob es für sie eine Option wäre, wenn er zu einer Domina ginge, um seine Neigungen ausleben zu können. Sie sei zwar der Idee gegenüber offen, mache sich aber Gedanken, ob sie ihren Partner nicht auf Dauer verlieren werde, weil sie seine Bedürfnisse nicht erfüllen könne, obwohl sie ihn ja sehr liebe.

Ok, where to begin? Erst einmal scheint das ja nicht die beste Ausgangslage für eine langfristige Beziehung, könnte man zumindest meinen. Ich persönlich sehe das aber anders. Es ist schon ein sehr gutes Zeichen, dass diese jungen Menschen so offen über Bedürfnisse sprechen können. Ganz besonders positiv erscheint mir der Umstand, dass die junge Frau auch Grenzen ziehen kann und deutlich sagt „Damit kann ich nichts anfangen, das will ich auch nicht ihm zuliebe tun“. Chapeau! Deutlich ältere Menschen sind manchmal noch nicht in der Lage, nicht in die „Augen zu und durch, weil ich meine*n Partner*in liebe“-Falle zu tappen.

Ebenfalls positiv bewerte ich die Tatsache, dass der junge Mann offen die Möglichkeit ins Gespräch bringt, zu einer Domina zu gehen. Er will also ganz bewusst nichts hinter dem Rücken seiner Partnerin machen, und bezieht sie aktiv in die Überlegungen mit ein. Super Ansatz für eine Problemlösung!

Hier meine Antwort auf diesen öffentlichen Post:

Liebe TE, ich bin zwar hier privat angemeldet, übe aber den Beruf der Domina aus. Euer „Problem“ ist gar nicht so selten. Es ist schon einmal ganz großartig, dass ihr überhaupt so offen Eure Bedürfnisse und Grenzen kommuniziert und auch über die Einbeziehung einer Domina sprechen könnt!

Zwei mögliche Szenarien zur Lösung des Problems haben sich in meiner „Laufbahn“ schon als sinnvoll erwiesen, die ich hier einfach mal zum Nachdenken lasse:

  • Variante 1: Ihr sucht Euch gemeinsam eine passende Domina und geht auch (zumindest zu einem ersten Termin, so es denn weitere geben soll) zusammen ins Studio. So bist Du von Anfang an in den Prozess eingebunden, und es wird nichts an Dir vorbei gemacht. Eine erfahrene Domina wird Euch zuhören und mit Euch eine Strategie entwickeln. Tabus können besprochen werden, ebenso Erwartungen. Entweder ihr erlebt dann eine gemeinsame (Einsteiger-)Session, bei der Dir die Domina ein paar Sachen zeigt, Du schaust zu, findest heraus, ob Dir vielleicht doch etwas Spaß macht, kannst Fragen stellen. Wenn Du das von vorneherein doof findest, dann lässt Du vielleicht Deinen Freund nach dem Vorgespräch da und holst ihn später wieder ab. So lernst Du die Domina kennen, und Du weißt, mit wem Dein Partner es zu tun hat. Das nimmt schon viele der Ängste im Kopf. In der Phantasie baut man sich ja gerne ein Riesengerüst an Verlustängsten, falschen Vorstellungen, völliger Überhöhung der noch unbekannten Person etc. auf, die sich massiv relativieren, wenn man es dann mit der Person (in diesem Fall der Domina) direkt zu tun hat. Wir sind auch nur Menschen und kochen ebenfalls nur mit Wasser. Wir haben vielleicht nur noch ein paar spezielle Methoden, wie wir das Wasser schlussendlich zum Kochen bringen.
  • Variante 2 wäre, dass sich Dein Freund selber um eine passende Domina bemüht, Dir davon erzählt, Du aber nur davon weißt, mit wem er es ggf. zu tun bekommt, vielleicht auch, warum die Wahl auf die entsprechende Person gefallen ist, Du aber nicht direkt eingebunden bist. Diese Variante eignet sich ganz gut, wenn Dich die Neigungen Deines Partners eher abschrecken und Du eigentlich gar nicht so viele Details kennen willst.

Eine Abwandlung oder vielmehr ein Zusatz zu beiden Varianten wäre die Möglichkeit die Domina nach Absprache als Deinen „verlängerten Arm“ einzubeziehen. Auch wenn Du nicht selber Hand anlegen oder garstige Dinge mit Deinem Partner machen möchtest, magst Du vielleicht doch irgendwie Teil davon und nicht ausgeschlossen sein.

Zum Beispiel notierst Du Dir vielleicht Dinge, die Dich im Alltag etwas geärgert haben, oder die Dein Freund in Bezug auf seine Neigungen vielleicht nebenher mal geäußert hat. Die schreibst Du dann auf und Dein Freund nimmt die Notizen in einem verschlossenen Umschlag mit, so dass er nicht weiß, was darin steht, was seine Freundin mir der Domina Eurer Wahl so austauscht und was eventuell auf ihn zukommt.

Natürlich solltet ihr vorher miteinander absprechen, ob das überhaupt zu seinen Kinks passt, falls das eine Option für Dich wäre. Nicht jeder Mensch, der auf SM steht, steht auch auf den D/s Aspekt und vice versa.

Long story short: Du kannst mit einbezogen werden, auch wenn Du nicht direkt involviert bist bei der Ausübung diverser Praktiken. Das ist alles eine Frage der Kommunikation zwischen Euch und der passenden Domina.

Zum Thema Verlustangst vielleicht noch dieses:

Es gibt im Studiobereich sogenannte berührbare Dominas, unberührbare Dominas und Bizarrladies. Manche davon bieten zusätzliche erotische Dienstleistungen an, andere kommen nicht mal in die Nähe des Geschlechtsteils Deines Freundes (mal abgesehen vielleicht von Ballbusting usw. wenn das sein Kink ist). Ich empfehle nachdrücklich, vorab darüber zu sprechen, was bei einer Session geht und was nicht. Wenn Du schon jetzt die Sorge hast ihn zu verlieren, dann macht Dir der Gedanke, dass die entsprechende Dienstleisterin auch Sex anbietet vermutlich noch mehr Stress.

Eine Vereinbarung diesbezüglich solltet ihr vor einer Session aushandeln. Zum Beispiel: „Alles im BDSM-Bereich ist ok, aber Orgasmen nur Zuhause“, das ist gar keine sonderlich seltene Vereinbarung. Was für Euch passt, könnt nur ihr beide zusammen herausfinden.

Ganz zum Schluss: Es ist unser Beruf. Die nötige professionelle Distanz zu wahren, gehört dazu, wir verdienen damit unseren Lebensunterhalt und eine Session ist nicht billig (wir sprechen von ca. 200€-300€ die Stunde, je nach Region und Bekanntheitsgrad der Sexdienstleisterin). Und egal, wie gut man sich mit einem Gast versteht, wie „intim“ solche Sessions werden können, wir bauen in der Regel über eine höflich-freundschaftliche Beziehung zu Stammgästen keine weiteren Beziehungen auf.

Mein persönliches Motto ist: Gäste werden nicht zu Freunden, Freunde werden nicht zu Gästen und so halten es nicht wenige Kolleg*innen.

Ich wünsche Euch, dass ihr die für Eure Partnerschaft passende Lösung findet. Und denkt daran – Beziehung bedeutet auch immer, ein bisschen Kompromisse einzugehen. Das gilt natürlich für alle Beteiligten.

Herzlichste Grüße
Madame Simone