Doppelsessions und der Wert von Sexworkern

Es scheint mir an der Zeit mal wieder einen Blogbeitrag zu schreiben.

Dieses mal geht es im weitesten Sinne um Doppelsessions und direkt um den Wert, der einzelnen Sexworkern so zugebilligt wird.

Eigentlich ist der Begriff „Doppelsession“ etwas irreführend, da mindestens drei Personen beteiligt sind, aber wir arbeiten jetzt mal damit.

Was ist denn eine Doppelsession? Nun, ein Gast (oder bei Paarsessions auch zwei) wird von zwei Sexworkern verarztet. Soweit vermutlich logisch.

Dabei gibt es unterschiedliche Konstellationen. Ich zb. arbeite sowohl mit weiblichen, passiven Kolleginnen in Sessions in denen ein aktiver Anfänger noch zusätzlich Rat und Tat von einer Domina möchte zusammen, als auch mit einem männlichen Kollegen als Domina&Dominus oder zb. für forced-bi Sessions, Sessions für passive Paare usw.
Ich habe auch schon mit anderen Dominas zusammen gearbeitet. Das macht Spaß und ist für den Gast sehr aufregend, weil man sich so schön die „Bälle zuwerfen“ kann.

Jetzt kommt das große „aber“:

Immer wieder, wie zum Beispiel heute, bekomme ich bei männlichen Kollegen oder passiven Kolleginnen die Aussage zu hören „Für Dich ist der Tribut ja ok, aber wieso so viel für den Kerl/die Sklavin?“. Da geht mir sehr unschön die Hutschnur hoch!

Erst einmal: Wer mit mir zusammen arbeitet ist angemeldet und muss genauso wie ich Miete, Steuern, Versicherungen, heiße Klamotten die den Gast anmachen usw bezahlen.

Wir bezahlen im Rahmen der Miete die wir in einem Studio für eine Session mit Euch abgeben (das können je nach Studio und Konstellation zw. 30-50% des Tributes sein), die Nutzung der Räumlichkeiten und der Spielgeräte/Spielzeuge, das Wasser, die Cola oder den Kaffee den ihr beim Vorgespräch selbstverständlich serviert bekommt, das Duschgel und das Waschen der Handtücher und Bademäntel, die ihr benutzt, die Kondome, Gleitmittel, Desinfektionsmittel, Handschuhe usw.

Dazu kommt je nach Lage des Studios Vergnügunssteuer, Steuervorauszahlung wenn man in manchen Regionen am Düsseldorfer Modell teilnimmt, Fahrtkosten wenn wir nur für Euch ins Studio fahren, weil ihr nur an unserem freien Tag Zeit habt und einiges mehr.

Abgesehen davon, dass wir dieselben oder ähnliche Ausgaben haben, ist ein männlicher Sexworker oder eine passive Sexworkerin sein oder ihr Geld ganz genauso wert! Im Grunde müssen passive Sexworker noch mehr als aktive verdienen, da sie ein deutlich höheres (Verletzungs-)Risiko haben, als wir Aktiven. Noch dazu bieten einige Passive auch OV oder GV als extra an, was wir Dominas nicht machen, zum Abschluss einer Session aber gerne gewünscht wird.

Denkt also bitte bevor ihr eine Doppelsession anfragt, dass das Buchen einer zweiten Person (egal ob männlich, enby oder weiblich, aktiv oder passiv, cis oder trans) mindestens genauso viel kosten wird und ihre Dienstleistung definitiv genauso viel wert ist wie meine. Wer sich mir gegenüber abwertend über meine Kolleg*innen äußert, muss sich ein anderes Studio und eine andere Domina suchen.

Erste Kontaktaufnahme mit einer Domina/einem Dominus via Telefon

Eigentlich müsste man vermuten, dass ein gewisses Maß an höflichem Umgang oder Verstand bei den meisten erwachsenen Menschen vorhanden ist…

Hey! Hört auf zu lachen da hinten!

Manchmal lassen mich aber meine E-Mails, Telefongespräche und WhatsApp Nachrichten ein bisschen daran zweifeln. Da ich nicht daran glauben möchte, dass hierzulande ein Heer an dämlichen Menschen unbeaufsichtigt durch die Straßen zieht, gehe ich einfach mal von der Arbeitshypothese aus, dass viele Menschen einfach nervös bei der ersten Kontaktaufnahme sind. Deswegen hier mal in paar Tips zur ersten Kontaktaufnahme mit einer Domina/einem Dominus.

**Anmerkung: Unterschiedliche Menschen haben unterschiedliche Ansprüche. Sicher möchten manche Sexworker im Studio es anders haben und vermutlich stimmen auch Sexarbeitende aus anderen Sparten diesen Tips zu. Das sind meine persönlichen Gedanken dazu und sicher nicht allgemeingültig .**

Beginnen wir mit der telefonischen Kontaktaufnahme:

Anrufe mit unterdrückter Nummer führen in den allermeisten Fällen bei mir oder im Studio dazu, dass es gar nicht erst zu einem Gespräch kommt. Auch nicht, wenn ihr 20 mal anruft. Zum einen nehmt ihr uns die Möglichkeit zurück zu rufen, wenn wir aus einer Session, vom Einkauf oder unter der Dusche raus kommen und der Anruf auf dem Display angezeigt wird, zum anderen ist es schlicht unhöflich. Ihr kennt unsere Nummer, wisst oft wo wir arbeiten und wie wir aussehen, shiny pictures im Interwebs sei Dank. Unter diesen Umständen bin ich dann doch für etwas mehr „quid pro quo“.

Haben wir die Telefonnummer-Hürde erfolgreich gemeistert, kommt es zum Gespräch. Ein guter Anfang ist eine höfliche Begrüßung mit Namensnennung und dem Grund des Anrufes. Ob der Name den ihr angebt erfunden ist, ist uns ziemlich egal. Aber irgendwie möchten wir Euch ja auch ansprechen können.

Das könnte dann so klingen:

„Guten Tag, ich bin der Herbert und möchte einen Termin für eine Session vereinbaren“.

Auch ok: „Hallo, mein Name ist Anna, ich würde gerne wissen ob sie auch Langzeiterziehung mit Paaren machen“ oder

„Guten Abend, Stefan hier, ich habe ihre Anzeige auf [hier Homepage oder Portal einfügen] gesehen und würde sie gerne in (Stadt/Studio) besuchen“

Also – Höfliche Begrüßung, sagt worum es geht, fragt im Verlauf des Gesprächs ruhig was es kosten wird (wir nehmen Geld für Dienstleistungen, es ist nicht doof danach zu fragen sondern realistisch. Als ersten Satz „was kostet..? raus zu hauen, ist allerdings auch extrem unhöflich!).

Was ihr vermeiden solltet: „Was machen Sie denn alles?“

Wenn ich anfange aufzuzählen was ich „alles mache“, sind wir morgen noch am Telefon. Abgesehen davon, dass vieles was ich anbiete vermutlich gar nicht in euer jeweiliges Interessengebiet fällt. Wenn ihr Fußfetischist und Rohrstock-Junkie seid, bedeutet das ja nicht, dass ihr auch NS, TV-Erziehung oder cuttings mögt oder bei mir sucht.

Besser ist es kurz und knapp zu umreißen was ihr wollt, dann kann ich euch direkt sagen, ob ich das anbiete und mit euch machen will oder nicht.

Wenn ihr noch nie in einem Studio oder bei einer Domina/einem Dominus wart, oder wenig Erfahrung im bdsm-Bereich habt ist es völlig verständlich, dass ihr u.U. noch nicht genau wisst was ihr eigentlich wollt. Sagt das bitte direkt! Ich gehe selbstverständlich anders an einen jungfräulichen Hintern ran, als den Betonarsch eines erfahrenen Flagellanten. Die Aussage „Mal so richtig hart mit dem Rohrstock!“ relativiert sich sehr schnell, wenn sie von einem Anfänger kommt 😉

Manche Anfänger haben 1001 Idee zum ausprobieren im Kopf, andere wissen nicht wo sie anfangen sollen. Sucht euch vorab 2,3 Dinge die euch am meisten interessieren aus und sagt sie mir. Damit kann ich arbeiten. Wem das zu schwer fällt, der sagt mir zumindest seine absoluten Tabus, dann baue ich eine Session drum rum. Bedenkt, dass wir noch ein Vorgespräch vor der Session im Studio haben werden. Gerade für Anfänger nehme ich mir dafür natürlich noch etwas mehr Zeit. Was für mich nach 22 Jahren aktivem bdsm Ausleben eine Kleinigkeit ist, kann für euch ein Riesending sein. Ich weiss das und nehme darauf Rücksicht.

Holt euch keine kostenfreie Wichsphantasie. Ja, ganz genau. Ich merke womit ich es zu tun habe, wenn ihr am Telefon jedes Detail von mir ausgemalt bekommen wollt.

Is‘ nicht. Wir halten das Gespräch kurz, konzentrieren uns auf das Wesentliche und dann wird ein Termin gemacht. Ich bin weder eure beste Freundin zum schnacken, noch kann man sich bei mir Material zur Selbstbefriedigung holen. Es ist okay sich vorab kurz zu informieren ob ich bestimmte Szenarien umsetzen kann. En detail werde ich sowas aber nicht ausführen, nur damit ihr einhändig telefonieren könnt. Punkt.

Haben wir alles geklärt und einen Termin ausgemacht, gibt es noch eine wichtige Sache: sagt rechtzeitig ab wenn ihr verhindert seid. Das kann passieren. Unfall, Wasserrohrbruch, Krankheit, spontane Geldknappheit weil eine unerwartete Rechnung reinflattert – ist uns allen schon passiert. Sobald das eintritt, sagt kurz Bescheid. Es geht mich nichts an warum ihr absagt, aber sagt ab. Dann kann ich den Termin weiter vergeben und sitze mir nicht vergebens den Hintern platt während ich auf euch warte.

Persönliche Anmerkung zum Schluss:

Ich arbeite zur Zeit in zwei Studios. Einmal in einem Studio in Köln, wo ich Sessions nur auf Termin anbiete und dafür 1.5h anreise, und einmal in Hamburg, wo ich ohnehin zu festen Zeiten im Studio bin. In Köln mache ich grundsätzlich keine Ersttermine mehr ohne Anzahlung in Form eines Amazon (E-Mail) Gutscheines von 50€. Nachdem ich mehrfach vergebens auf meine Termine gewartet habe, behalte ich mir vor diese Anzahlung als Aufwandsentschädigung zu deklarieren.

Wenn ihr nicht zum Termin kommt, ist das euer Verlust, nicht meiner.

Psychische Störung und Besuch im SM-Studio

Erstmal vorneweg: das ist meine persönliche Meinung und kein how to im Umgang mit psychischen Störungen im Kontext von Besuchen im SM-Studio!

Heute hatte ich einen der schwierigeren Anrufe in meinem Beruf.

Ein junger Mann ruft mich an und möchte einen Termin. Soweit so gut. Er erzählt mir direkt, dass er in Betreuung ist und eine Probleme mit einer Persönlichkeitsstörung hat. Das an sich ist ja kein Makel, aber:
Ich bin nicht psychologisch ausgebildet.
Meine Erfahrungen mit unterschiedlichen psychischen Störungen und Erkrankungen beschränken sich allenfalls auf mein privates Umfeld. Ich kann nicht einschätzen wie ausgeprägt sich eine solche Störung bei einer Session bemerkbar macht.

Ich kann ggfs eine Re-Traumatisierung nicht ausschließen und bin möglicherweise nicht in der Lage einen Zusammenbruch richtig aufzufangen.

Obwohl wir Sexworker in allen Branchenzweigen auch Kummerkastentante, Ratgeber und Schulter zum ausheulen sind, ich zumindest bin nicht in der Lage adäquate psychologische Hilfestellung bei tatsächlichen Krankheitsbildern zu leisten.

Deswegen kann ich nicht guten Gewissens so einen Termin ausmachen und durchziehen. Deswegen muss ich ablehnen. Egal was ich verdienen würde, das ist es nicht wert. Das könnte nicht nur meinen Gast, sondern auch mich gefährden.

Es gibt psychologisch ausgebildete Sexarbeiter/innen, auch Dominas. Wenn ihr wisst, dass ihr eine psychische Erkrankung oder Störung habt und gerne ins Studio gehen wollt, wendet Euch in Eurem und dem Interesse der Domina bitte an jemanden mit einer entsprechenden Ausbildung!

Ich wiederhole das noch einmal: eine psychische Erkrankung oder Störung ist KEIN Makel! Es macht Euch keineswegs zu weniger wertvollen Menschen und auch nicht zu Menschen, die grundsätzlich nicht einschätzen können was sie wollen, brauchen, können!

Bedenkt aber bitte, dass wir Sexworker niemandem schaden wollen und unsere Gäste zufrieden wieder entlassen möchten. Wir sind auch Menschen. Wenn wir etwas nicht leisten können oder uns zutrauen, dann geht das nicht gegen Euch und bedeutet nicht, dass ihr „falsch“ seid!

Ich traue mir einiges zu, aber ich wäre völlig falsch in meinem Beruf, wenn ich nicht wüsste wo meine Grenzen liegen und die auch äußern kann. Gerade im bdsm-Bereich haben wir so schon mit der ganzen Klaviatur von Emotionen zu tun. Wenn ich nicht absehen kann was für Reaktionen oder Schwierigkeiten für meinen Gast und in Folge auch für mich entstehen können, kann ich einfach nicht anders als einen Termin ablehnen.

Was macht denn eine Domina?

Eine ausgezeichnete Frage! Wir sind und arbeiten nicht alle gleich. Es gibt berührbare Dominas, die sich auch mehr oder weniger intensiv anfassen lassen. Es gibt unberührbare Dominas, die absolut keinen nahen Körper- oder gar Hautkontakt wünschen. Es gibt Bizarrladies, die zwar aktiv und dominant agieren, bei Lust und Laune aber auch Sex in unterschiedlicher Form haben und es gibt 1000 Abstufungen dazwischen. Neben der Berührbarkeit unterscheiden wir uns in Stil, Arbeitsweise, besonderen Kenntnissen und persönlichen Neigungen. Ich bin zb Sadistin und hinterlasse gerne Spuren wenn das für meinen Gast ok ist. Ich liebe es zu ohrfeigen, zu treten, zu spucken und mit Rohrstock, Peitsche oder Messern zu hantieren. Dafür mache ich nichts mit KV oder römischer Dusche und nur selten Klinikspiele. Manche Damen lieben Strom, andere age play und Windelspiele, wiederum andere nutzen erotische Hypnose. Es gibt nicht „Die Domina“ oder „Den Dominus“, aber es gibt mit Sicherheit den oder die Richtige für Dich! Denkt daran, dass wir Menschen sind mit denen man reden kann. Wir versuchen auf Eure Wünsche einzugehen und die bestmögliche, erfüllende Session für und mit Euch zu gestalten. Das kann auch ruhige und schmerzlose Sessions oder völlig bizarre Szenarien beinhalten. Nur eines mögen wir alle nicht: verschwendet nicht unsere Zeit! Macht keine Termine, die ihr nicht wahrnehmen könnt oder wollt. Wir stricken Euch nicht gerne kostenfrei Wunschszenarien, blockieren Termine in unseren Kalendern,bereiten u.U. bestimmte Kleidung und Equipment vor um dann vergebens auf Euch zu warten. Behaltet das im Hinterkopf, wenn ihr darüber nachdenkt eine Domina/einen Dominus zu besuchen.